Bald hätte man die berühmte Stecknadel fallen hören. Fast körperlich spürbar war die Spannung im Saal. Mit einem beeindruckenden Schauspiel aus Gesang, Mundharmonika, Ausdruckstanz und Farbprojektionen zogen Schauspielerin und Tänzerin Sulamith Bade und Mundharmonika-Spieler Takamoto Mizuno das Publikum aus 150 DAAD-Alumni in ihren Bann. Dies war die erste Tanzaufführung im Rahmen der traditionellen „Butterbrot und Bier"-Veranstaltung des DAAD, die seit vielen Jahren zweimal im Jahr stattfindet.

Die beiden Künstler schufen spannende Kontraste durch die Kombination von klassischen und modernen, leisen und lauten, bewegungsarmen und aktiven Stücken. Nach dem Volkslied „Über meiner Heimat Frühling", das Bade sang und Mizuno spielte, folgte eine moderne Tanzeinlage zu lauter HipHop-Musik; die Bühne war dabei in rotes Licht getaucht. (Ursprünglich war an dieser Stelle das Stück „The Nobodies" von Schockrocker Marilyn Manson geplant, doch durch technische Umstände musste kurzfristig ein passender Ersatz gefunden werden. Die Tänzerin nahm's gelassen und improvisierte gekonnt.) Zu einem japanischen Volkslied („The Rain on Jogashima Island") und Astor Piazollas „Contrabajissimo" tanzte und „kämpfte" sie zugleich einen imaginären Bühnenkampf mit einem unsichtbaren Gegner; Mizuno spielte die Stücke virtuos auf der Mundharmonika. Sodann ging sie ins Publikum und tanzte mit einem der für Japan so typischen transparenten Regenschirme im Projektorlicht zur Bühne zurück, wo sie mit Crescendo-Stimme René Philombes „L'Homme Qui Te Ressemble" rezitierte.

Auf ihre Abschlussdarbietung der „Goldbergvariationen" (Aria, Glenn Gould) von Johann Sebastian Bach folgten tosender Applaus und - auf Aufforderung der Schauspielerin - so mache neugierige Frage, zum Bespiel „Wie lange kennen Sie sich schon?" über die Zusammenarbeit der beiden Künstler. Mit Erstaunen quittierte das Publikum die lapidare Antwort: „Drei Wochen." Eine erstaunlich kurze Zeit, die der wie aus einem Guss gegossenen Performance nicht anzumerken war. Der Kontakt war über Sabine Yokoyama (rechts), die Koordinatorin der „Butterbrot und Bier"-Veranstaltung, hergestellt worden, die eine musikalische Begleitung für die Tanzaufführung suchte.

Die Künstler:

Tänzerin und Schauspielerin Sulamith Bade studierte von 2004 bis 2008 an der Berliner Universität der Künste Schauspiel und Darstellende Kunst. Danach bekam sie ein Engagement am Theater „Junge Generation", Deutschlands größtem Kinder- und Jugendtheater. Zwei Jahre blieb sie dort - dann lockte die Ferne. Bade bewarb sich auf ein DAAD-Künstlerstipendium. Seit 2010 studiert sie bei verschiedenen Lehrern in Tokyo traditionellen Tanz, Butho, Bühnenkampf, Kabuki- und Noh-Theater - wie sich aus ihrem Auftritt am Montag ablesen ließ.

Mundharmonikaspieler Takamoto Mizuno (http://ateliertakamoto.com/index.html) war ebenfalls DAAD-Stipendiat, bereits im Jahr 1999. Er kannte Deutschland bereits, hatte Unterricht in Trossingen genommen. Wo auch sonst, muss man in seinem Fall sagen: Denn Musikern ist die Stadt bekannt, weil dort der Instrumentenbauer Hohner angesiedelt ist, ein führender Hersteller von Mundharmonikas und Akkordeons. „Warum wollten Sie unbedingt Mundharmonika spielen?" wurde er gefragt. „Sie hat mich verfolgt, ich kam nicht schnell genug weg von ihr", beschrieb der Musiker, der bereits mehrere Preise für sein Spiel gewonnen hat, augenzwinkernd sein Verhältnis zu seinem Instrument.

Butterbrot und Bier:

Im Anschluss fand der  namensgebende Teil des Abends statt. Zusätzlich zu Butterbrot und Bier waren Wurst, Käse und Gemüsesticks aufgetragen und auf einer in Herbstfarben dekorierten Tafel angerichtet, auf der kleine, extra für die Veranstaltung gestaltete Bäumchen standen. Das „Kampai" brachte Professor Peter Baron (2. von rechts) aus, auch er ein DAAD-Alumnus, Ehrenpräsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan und seit einigen Jahren Mitglied der Auswahlkommission des DAAD-Programms „Sprache und Praxis in Japan".

(Copyright der Fotos: Sonja Blaschke)