„Ich soll hier einen Vortrag halten.“ „Aber ich muss hier meine Tanzaufführung proben“ – auf dem Frühjahrstreffen für die deutschen DAAD Stipendiaten 2013 lieferten sich die Japanologin Luise Kahlow und die Tänzerin Sulamith Bade ein verbales und theatrales Duell, das wohl auch noch ihren geistigen Vorbildern Laurel und Hardy ein Schmunzeln abgerungen hätte.

Am 10. Mai 2013 lud der DAAD Tokyo die deutschen Stipendiaten zur traditionellen Willkommensfeier „Butterbrot und Bier“ in den Europasaal des Deutschen Kulturhauses. Rund 180 deutsche und japanische Gäste folgten der Einladung. Nach der Begrüßung durch Außenstellenleiter Holger Finken und die Organisatorin Sabine Yokoyama zum Auftakt der Veranstaltung, wurden die Besucher jedoch schon in kürzester Zeit in blankes Stauen versetzt.

Lautes Tosen auf der Bühne unterbrach den Vortrag der Japanologin Luise Kahlow, die als Teil des kulturellen Rahmenprogramms über ihr Forschungsthema, den eintausend Jahre alten „Sagimai-Reihertanz“ referierte. Scheinbar gänzlich unbeeindruckt vom Zuschaueraufgebot und der Vortragssituation brachte eine Dame in Schwarz nach und nach Requisiten auf die Bühne. Als sie zur Krönung einen Luftballon aufblies und vor der laufenden Powerpoint Präsentation damit spielte, platzte der Referentin schließlich der Kragen. Ein lautes süddeutsch-berlinerisches Wortgefecht entbrannte zwischen den beiden Frauen. Anscheinend war der Saal an diesem Abend beiden versprochen: Frau Kahlow für ihren Vortrag und der Dame in Schwarz, Tänzerin Sulamith Bade, für die Probe einer Tanzvorführung.

Frei wie ein Vogel

Nachdem auch noch ein falscher Video-Einspieler über die Leinwand flackerte, wurde die Schuld klar bei Christoph D. – derzeitigem Praktikanten der DAAD-Außenstelle – verortet, der vom Technikraum aus, über den Köpfen der Zuschauer tragische Entschuldigungen murmelte. „Immer diese Praktikanten!“ Erst als im Anschluss Frau Kahlows Vortrag in Tänzerin Sulamith seine praktische Ergänzung fand, machten sich erste Zweifel breit. Frau Kahlows Erklärungen und Sulamiths praktische Beispiele wechselten sich in Perfektion ab und für jeden wurde ersichtlich, dass alle Wortgefechte an diesem Abend minutiös geplant und perfekt inszeniert worden war. Auf kurzen Vortragspassagen ertönten im Lichtwechsel Klänge aus Tsuwano mit choreografischen Tanzskizzen zum Reihertanz.

Zum krönenden Abschluss verwandelten sich die beiden Komplizinnen, gleich den japanischen Dorfbewohnern aus Frau Kahlows Vortrag, durch die phantasievollen Kostüme von Melanie Uematsu selbst in zwei menschliche Reiher. Synchron zeigten sie den „Sagimai-Reihertanz“ und gaben den Zuschauern einen bleibenden Eindruck von dem wundersam anmutenden Volksfest im Westen Japans. Dieser Art animiert knüpften die neuen DAAD-Stipendiaten beim anschließenden Empfang mit „Butterbrot und Bier“ neue Kontakte und tauschten sich in ausgelassener Stimmung über diese und andere „ulkige Vögel“ in Deutschland und Japan aus.