Prof. Henning Rosenau, Lehrstuhl für Deutsches, Europäisches und Internationales Straf- und Strafprozessrecht und Medizin- und Biorecht an der Juristischen Fakultät der Universität Augsburg, war als Redner zu dem vom DAAD und JSPS Club durchgeführten Wissenschaftlichen Gesprächskreis am 28. Mai 2013 im DAAD Tokyo geladen. Thema seines Vortrags waren aktuelle Rechtsfragen zur Transplantation.

Gleich zu Beginn machte Prof. Rosenau auf ein großes Problem der Transplantationsmedizin aufmerksam: Es gibt zu wenig Spenderorgane, die Nachfrage ist größer als das Angebot. Dies führt dazu, dass jährlich 1000 Patienten, die ein Spenderorgan benötigen, sterben. Der Hauptgrund dafür liegt in der geringen Spende Bereitschaft und es stellt sich die Frage, ob der Informationsbedarf gesetzlich festgelegt werden soll. Durch Transplantationsskandale, wie durch einen Fall in Göttingen, bei dem Laborwerte von Patienten manipuliert wurden, ist das Misstrauen dem Spenden gegenüber weiter gewachsen.

Es gibt verschiedene rechtliche Fragestellungen, die in den Gesetzen bezüglich Transplantationen gelöst werden müssen. Zum Einen ist zunächst der Begriff des Todes zu definieren. Ab wann ist es möglich, bei einem Patienten den Tod festzustellen und somit eine Organentnahme zur Spende einzuleiten? In Deutschland dient der Hirntod, also der endgültige Ausfall von jeglichen Hirnfunktionen, zur Feststellung des Todes. Auch die Rahmenbedingungen für eine Organspende sollten noch genauer gesetzlich geregelt werden. In Deutschland gilt die erweiterte Zustimmungslösung. Das bedeutet, der Spender muss einer postmortalen Organspende zugestimmt haben, zum Beispiel durch den Besitz eines Organspendeausweises. Liegt eine solche Zustimmung nicht vor, werden die Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen gefragt. Letztendlich befindet sich somit die Beantwortung der Frage, ob die Organe gespendet werden sollen, im Ermessen der Angehörigen. Dieser Art wird in der Trauerphase auf die Hinterbliebenen oftmals ein unnötiger psychischer Druck ausgeübt. Eine Alternative wäre die „Widerspruchslösung“. Dabei wird jeder Verstorbene als potenzieller Spender angesehen, der sich nicht explizit gegen eine Organspende ausgesprochen hat.

Eine weitere Frage, die gesetzlich noch exakter gefasst werden sollte, ist die der Organverteilung. Bis dato werden Patienten, die ein Spenderorgan benötigen, auf einer Warteliste aufgelistet. Die Reihenfolge ergibt sich aus den Erfolgsaussichten und der Dringlichkeit der Transplantation.
Die Führung einer solchen Liste ist in der Praxis jedoch alles andere als einfach. In Deutschland geschieht die Anordnung nach den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft. Diese werden von einer Expertengruppe, der Bundesärztekammer, überprüft und festgelegt. Doch sollte der Gesetzgeber diese schwerwiegenden rechtlichen Fragen wirklich abgeben?
Ein anderer Lösungsansatz zur Gewinnung von Spenderorganen ist die Ausweitung der Lebendspende. Momentan ist diese nur für Personen möglich, die dem Patienten sehr nahe stehen. Wenn diese Bedingungen ausgeweitet würden, könnten mehr Organe gespendet und mehr Menschenleben gerettet werden. Das Problem der mangelnden Spenderorgane wäre somit gelöst, andererseits würde dies auch dem Organhandel mehr Spielraum geben.

Den Ausführungen von Prof. Rosenau folgte eine angeregte Diskussion mit den Teilnehmern des Gesprächskreises, die schließlich in geselliger Runde ausklang.

Silke Kalmer
Praktikantin
DAAD Tokyo
Juni 2013