Am 10.10.2013 fand wieder der vom DAAD und JSPS-Club im Deutschen Kulturzentrum regelmäßig durchgeführte Wissenschaftliche Gesprächskreis statt. Architekt Dr. Robert Baum widmete sich in seinem Vortrag dem Thema „Licht und Schatten in der Architektur“ und der Feststellung, dass Schatten in der Architektur seine eigene Form eines Schattendaseins führt.

Dr. Baum ist seit Mai 2012 in Tokyo als Projektarchitekt tätig. Seinen Doktorgrad erlangte er im Februar 2012, nachdem er von 2009-2012 seine Promotion im Fach Architektur an der Universität Tokyo erarbeitete. In seiner Doktorarbeit widmete er sich einem Aspekt des Themas Licht und Schatten in der Architektur, den er gezielt im zweiten Teil seines Vortrages präsentierte.
Im ersten Teil thematisierte er jedoch zunächst allgemein das Zusammenspiel von Licht und Schatten in der Architektur. Beide Elemente gehören als zwei Seiten einer Medaille zusammen, allerdings wird dem Licht oft die größere Rolle zugeschrieben. Über Schatten in der Architektur sind nicht viele wissenschaftliche Arbeiten oder Zitate vorhanden. Anhand einer Google-Suche kann dies anschaulich dargestellt werden: während es zu „Licht und Architektur“ ca. 538.000 Treffer gibt, lassen sich zu „Schatten und Architektur“ nur ca. 152 Treffer finden. Die größere Bedeutung des Lichtes erklärt Dr. Baum unter anderem damit, dass vor der Erfindung des elektrischen Lichts Licht immer Mangelware war und sich eine „Sehnsucht nach dem Licht“ entwickelte. Die Wahrnehmung von Licht und Schatten hängt seiner Meinung nach allerdings auch sehr stark von der jeweiligen Kultur ab: während Europäer wahrscheinlich zuerst das Licht wahrnehmen, sind Japaner oder auch Personen aus dem arabischen Kulturkreis stärker vom Schatten angezogen.

Während seines Vortrages präsentierte Dr. Baum zudem zahlreiche Beispiele aus der Architektur, die sich jeweils dem Unterthema Licht oder Schatten zuordnen lassen. Als Beispiel für die sogenannte „Schattenarchitektur“ steht unter anderem das Bayt Al-Suhaymi-Museum in Kairo. Der Unterschied zur „Lichtarchitektur“ liegt darin, dass hier das Hauptaugenmerk auf die Gestaltung des undurchlässigen Elementes (z.B. Holzrahmen) gelegt wird und nicht auf die des durchlässigen Elementes (z.B. Glas). Auch japanische Elemente, wie Sudare (Bambusmatten) oder Shoji (Raumteiler) gelten als weitere Beispiele.

Der zweite Teil des Vortrages widmete sich vor allem der Photovoltaik, ein Thema, das Dr. Baum auch in seiner Doktorarbeit „Studies on light-transmissive photovoltaics (LTPV): patterns of integration into architectural design“ behandelt. Photovoltaikanlagen ermöglichen durch Solarzellen die direkte Umwandlung von Sonnenlicht in Energie. Die Photovoltaikelemente sind meist Teil eines Glasdaches und lassen im Durchschnitt nur ca. 10% Licht durch, wodurch Schattenspiele in zahlreichen Variationen auftreten.

In seiner Doktorarbeit sammelte Dr. Baum unter anderem weltweite Beispiele für Photovoltaikanlagen im architektonischen Rahmen. Er stellte sich aber auch die Frage, wie solche Ergebnisse in Innovation umgesetzt werden können. Obwohl es keinen technischen Hinderungsgrund gibt, findet man Photovoltaikelemente bei großen aber auch mittleren Herstellern meist nur in linear angeordneten Standardformen. Möchte man jedoch etwas ausgefallenere Formen erwerben, muss man sich an Künstler wenden. Dr. Baum präsentierte zwei seiner Innovationen. Bei seiner ersten Weiterentwicklung von Photovoltaikelementen hat er sich von japanischen Kamon (japanische Wappen) inspirieren lassen. Durch die Bedruckung der Glasscheiben, die immer vor den Photovoltaikelementen liegen, entstehen so neue innovative Muster. Seine zweite Idee widmet sich der Lösung des Problems, dass Photovoltaikelemente immer miteinander verbunden sein müssen und dadurch nur lineare Ausrichtungen entstehen. Ausgehend von der Idee des Webens können jedoch durch die Darstellung in der Querrichtung Bögen und neue Muster geschaffen werden.


Insbesondere das Thema der Photovoltaik wurde in der anschließenden Gesprächsrunde und im Rahmen des abschließenden geselligen Zusammenseins im DAAD-Büro noch angeregt diskutiert .

Sandra Prati
Praktikantin
DAAD Tokyo
Oktober 2013