Im Anschluss an die Einführungsveranstaltung für neue DAAD-Stipendiaten fand am Abend des 1. Novembers 2013 die traditionelle „Butterbrot & Bier“-Willkommensfeier statt. Im Rahmen des Abendprogramms wurde den über 160 teilnehmenden Deutschen und Japanern mit „Kamishibai“ ein Teil der japanischen Theaterkultur präsentiert, bevor anschließend das namensgebende Buffet eröffnet wurde.

Als sich zu Beginn des Abends langsam alle Gäste im Europasaal des Deutschen Kulturhauses einfanden, ließ sich bereits vorausahnen, dass an diesem Abend eine besondere Art von Programm geplant war: Stuhlreihen, die sonst den Saal ausfüllen, waren zur Seite geschoben und durch große Planen ersetzt worden, auf denen sich die Gäste niederlassen konnten. Vor der Bühne war zudem ein Pult mit einem kleinen Bilderschaukasten aufgebaut.
Nach der offiziellen Begrüßung aller eingetroffenen Gäste durch Herrn Dr. Holger Finken, dem Leiter der DAAD Außenstelle Tokyo, übernahm die Organisatorin der Veranstaltung, Frau Sabine Yokoyama, das Wort und gab eine Einführung zu „Kamishibai“, dem thematischen Programmschwerpunkt des Abends. Dabei erläuterte sie nicht nur die außergewöhnliche Ausrichtung des Saales, sondern stellte auch die Geschichte und Besonderheiten des Kamishibai vor. Unterstützt wurde sie hierbei von Takako Emori und Tsutomu Kawai, Mitglieder der Kamishibai Bunkasuishin Kyogikai (Gesellschaft zur Verbreitung des Kamishibai), die an diesem Abend durch das Programm führten.

Der Ursprung des Kamishibai – zu Deutsch „Papiertheater“ – liegt im Jahre 1930 in Japan. Trotz seiner kurzen Geschichte hat Kamishibai bereits einige Entwicklungen durchgemacht und befindet sich ständig im Wandel. Traditionell wurde Kamishibai von Ausstellern aufgeführt, damit diese ihre Dagashi (japanische Süßigkeiten) an die zuschauenden Kinder verkaufen konnten. Meist fuhren die Aussteller mit ihren Fahrrädern, an deren Enden Schaukasten-ähnliche Holzrahmen befestigt waren, durch die Städte. Die Geschichten, die aus 10-20 Bildtafeln bestanden, wurden dann vorgetragen, indem die Tafeln während der Narration der Aussteller nacheinander in den Schaukasten gelegt wurden. Der Erfolg des Kamishibai unter den Kindern führte schon bald dazu, dass Lehrer, Erzieher, aber auch Priester auf die neue Form des Theaters aufmerksam wurden und den „Kamishibai-Druck“ ins Leben riefen. Bis heute hat sich Kamishibai in Japan erhalten und es werden jährlich ca. 80 Kamishibai-Geschichten herausgegeben, die z.B. in Kindergärten oder Schulen mit Hilfe kleiner Schaukästen präsentiert werden.
Um insbesondere die deutschen Teilnehmer an das Kamishibai heranzuführen, präsentierte Frau Emori zunächst mit Hilfe des Bilderschaukastens das deutsche Märchen „Hans im Glück“. Ganz wie bei dem traditionellen „Straßen-Kamishibai“ in Japan wurden unter den Gästen unterschiedliche Sorten von Dagashi verteilt. Als nächstes widmete sich Frau Emori der Darbietung des Werkes „Yuki-Onna“ (Schneefrau), einer altbekannten Figur aus japanischen Märchen, die Alexander Draude (DAAD/MEXT-Stipendiat) in seinen Zeichnungen eigens für die Veranstaltung neu interpretiert hatte.

Im letzten Teil übernahm Herr Kawai das Wort und führte durch das Stück „Namiki Shoza Nazo no Hanashi“ (Die rätselhafte Geschichte des Namiki Shoza) von Benjamin Fitzenreiter (DAAD/MEXT-Stipendiat), das ebenfalls speziell für die Veranstaltung angefertigt worden war. Herr Fitzenreiter hatte sich bei seinen Zeichnungen von der Geschichte des Namiki Shoza inspirieren lassen: dieser hatte es in der Edo-Zeit geschafft, das Kabuki Theater mit seinen Erfindungen, zu denen unter anderem Lifte und Drehbühnen zählten, zu modernisieren und popularisieren.
Zum Schluss verlieh Frau Yokoyama noch dem Dank der gesamten DAAD-Außenstelle Tokyo mit Präsenten an die Künstler Ausdruck, bevor Herr Jonatan Weinberg, Kulturreferent der Deutschen Botschaft Tokyo, mit seiner Kampai-Rede das Buffet eröffnete.

Sandra Prati
Praktikantin
DAAD Tokyo
November 2013