Am 27. Februar 2015 ging der vom DAAD und JSPS-Club durchgeführte wissenschaftliche Gesprächskreis in eine neue Runde. Diesmal stellten die Referenten Dr. Gudrun Niehues und Dr. Stefan Funkner verschiedene faszinierende Anwendungsmöglichkeiten der Terahertz-Spektroskopie vor.

Auf den ersten Blick scheint die Terahertz-Spektroskopie ein Thema zu sein, das nur für den Alltag von Physikern und Chemikern bedeutsam ist. Doch schon zu Beginn des Vortrages wird schnell klar: Terahertz-Strahlungen spielen in unser aller Alltag eine wichtige Rolle. Ob in der Astronomie, Medizin oder Sicherheitstechnik: Die Anwendungsbereiche der Terahertz-Spektroskopie breiten sich immer weiter aus.
Terahertz-Strahlen können verschiedene Materialien durchdringen und lassen sich darüber hinaus bündeln und ablenken, sodass zunächst Unsichtbares sichtbar gemacht werden kann. So macht sich u.a. der durch die Medien weltweit bekannte Ganzkörperscanner, der nun vermehrt an Flughäfen zum Einsatz kommt, diese Eigenschaft zu Nutze. Die Terahertz-Strahlen durchdringen in diesem Fall die Kleidung, aber nicht den Körper selbst, sodass versteckte Waffen und andere gefährliche Gegenstände sichtbar gemacht werden können. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren die neuesten Briefbombenscanner, die gefährliche Substanzen schnell und einfach ausfindig machen. Doch auch in der Medizin könnte die Terahertz-Spektroskopie einen bedeutsamen Fortschritt bringen. Denn anders als Röntgenstrahlen sind Terahertz-Strahlen für den Menschen in keiner Weise gesundheitsschädigend. So gibt es zum Beispiel schon erste Anwendungen in der Zahnmedizin zur Erkennung von verstecktem Karies oder in der Hautmedizin, um oberflächlichem Hautkrebs rechtzeitig auf die Spur zu kommen.

Dank des Vortrags von Dr. Niehues und Dr. Funkner ist zumindest den Zuhörern des wissenschaftlichen Gesprächskreises nun bewusst: die Terahertz-Spektroskopie ist mehr als ein kompliziert klingender Begriff.

So folgte auf den Vortrag eine angeregte Gesprächsrunde, in der die Referenten ausführlich auf die zahlreichen Teilnehmerfragen eingingen. So lautete u.a. eine interessante Frage: „Wieso steht in der Gebrauchsanleitung, dass man nicht direkt vor der Mikrowelle stehen soll, obwohl die Strahlung an sich nicht so stark ist?“ Die Erklärung war, dass die Mikrowellenstrahlen zwar durch das Metallgehäuse abgeschirmt werden, jedoch z.B. Herzschrittmacher in einem niedrigen Elektrobereich fungieren und somit von Mikrowellenstrahlungen beeinflusst werden können.
Weitere Gespräche rund um das Thema „Tetrahertz-Spektroskopie“ setzten sich bei einer kleinen Stärkung und Getränken fort und ließen den Abend erfolgreich ausklingen.

Zu den Referenten: Dr. Niehues und Dr. Funkner promovierten beide an der Ruhr-Universität in Bochum in den Fächern Chemie und Physik. Im Zuge ihrer Forschung reisten sie mit Unterstützung eines Langzeitstipendiums der JSPS nach Japan und forschen nun seit zwei Jahren am Research Center for Development of Far-Infrared Region der Fukui Universität. Das Institut wurde 1999 gegründet und beschäftigt sich seit 2008 mit der Terahertz-Forschung.

Adriane Janosch
Praktikantin
DAAD Tokyo
März 2015