Unser diesjähriges Herbsttreffen mit „Butterbrot und Bier“ wurde zum Großevent: Über 140 Stipendiaten, Alumni, Kollegen und Freunde des DAAD kamen am Montagabend ins Foyer des OAG-Hauses. Die Veranstaltung begann mit einem zünftigen  Buffet.

Getreu dem Namen der Veranstaltung wurden auf einer im Foyer aufgestellten Tafel Brot und Brötchen angeboten, die von den Gästen je nach Geschmack gebuttert und belegt werden konnten. Dazu gab es natürlich kühles Bier, mit dem die Anwesenden nach einem Kanpai durch unseren Gastredner Prof. Kiyoshige Yomogita, Vorstandmitglied des DAAD Tomo no Kai, anstießen.

Thematisch lag der Schwerpunkt in diesem Jahr auf dem traditionellen japanischen Kleidungsstück, dem Kimono. Diesem Thema entsprechend wurden im Foyer Werke der Modedesignerin Regina Weber ausgestellt. Gefördert durch ein DAAD-Stipendium hielt sich die deutsche Studentin im Rahmen eines Studien- und Praxisjahres in Kobe auf und befasste sich mit traditioneller japanischer Kleidung. Die ausgestellten Stücke gehörten zu ihrer Kollektion Memories from Japan und waren aus Stoffresten alter Kimonos gefertigt. In der Tradition des Hyakutoku, einer Tradition der Wiederverwertung von Textilien,  fügte Weber die Einzelteile dann zusammen. Dabei nutzte sie sowohl westliche als auch japanische Elemente, und vereinigte ihre  Ausgangsmaterialen in originellen, neuen Kleidungsstücken.

Nachdem sich alle Anwesenden gestärkt hatten fand die Hauptveranstaltung im Europasaal statt. Dort sprach zunächst Herr Hiroshi Tomita, dessen Firma , heute unter dem Namen Tomihiro bekannt, seit über vierhundert Jahren Kimonos auf traditionelle Weise in der japanischen Präfektur Yamagata herstellt. Seine Stoffe werden in Yamagata mit Pflanzen natürlich gefärbt und von Hand verarbeitet. Begleitet wurde Herr Tomita von seinem Sohn Kazushi und einigen Stammkundinnen des Geschäftes, die eine Auswahl der wertvollsten Stücke der Firma auf der Bühne zur Schau stellten. Nicht nur die Herstellung dieser Kleidung stellt dabei eine Herausforderung dar – auch das Anziehen gestaltet sich als aufwendiger Prozess.

Um dies zu verdeutlichen, wurde Laura Blecken aus dem DAAD-Team direkt vor Ort in einen Kimono eingekleidet. Vom ersten Schritt an erklärte Herr Tomita die vor den Augen des Publikums durchgeführte Prozedur und die benannte die einzelnen Teile des Kimonos samt Zubehör. Besondere Bedeutung hatte dabei der „Obi“, ein japanischer Gürtel für den Kimono, der als Symbol deutsch-japanischer Freundschaft speziell zu diesem Anlass von der Firma Tomihiro angefertigt worden war. Auf dem Obi waren Landschaftsszenerien aus Deutschland abgebildet:  Der Drachenfels im Siebengebirge und die Marksburg bei Braubach am Rhein.

Anschließend hielt Frau Hiroe Matsui, Doktorandin an der Ochanomizu-Universität einen Vortrag zum  Übergang von traditionell japanischer zu westlicher Kleidung während der Meiji-Zeit im 19. Jahrhundert.  Als anschauliches Beispiel wählte sie die Zeremonialkleidung der damaligen Kaiserin von Japan. Nach dem durch Herrn Tomita vorgestellten Deutsch-Japanischen Obi kam auch hier ein verbindendes Element zwischen beiden Ländern zum Vorschein: Der japanische Hof bestellte nämlich seinerzeit das erste Kleid im westlichen Stil in Berlin sowie den dazugehörigen Schmuck. Wenig später begann  dann jedoch die Produktion westlicher Kleidung auch vor Ort in Japan, um nicht länger von Importen abhängig sein zu müssen.

Dabei wurde die traditionelle japanische Kleidung zunehmend aus dem Alltagsleben verdrängt. Eine wichtige Rolle nimmt der Kimono jedoch nach wie vor ein: Bei vielen Festen und Zeremonien, wie etwa bei Hochzeiten, wird er auch heute noch getragen und stellt ein wichtiges Kulturgut sowie ein Stück japanischer Identität dar.

Neben dem Kimono ist Japan in Deutschland auch durch Origami, die Kunst des Papierfaltens, in Deutschland bekannt. Diesem Thema widmete sich Gastredner Prof. Dr. Jun Mitani von der Tsukuba-Universität in seinem Vortrag zu digitalem Origami-Design. Mit selbsterstellten Computerprogramme ist der Informatiker in der Lage Origami zu entwerfen und als 3D-Modelle darzustellen. Die von ihm entwickelte Software wird jedoch nicht nur bei der Gestaltung von Papierfiguren angewendet. In Kollaboration mit Designer Issey Miyake wurde Mitanis Software zur Gestaltung von Stoffen und Herstellung von Kleidung im Origami-Stil genutzt.

Sämtliche Vorträge stießen beim Publikum auf großes Interesse und regten viele Fragen an, die teilweise noch beim informellen Teil des Abends im Foyer diskutiert werden konnten. Dort brutzelten schon Würstchen des deutschen Restaurants „Schmatz“ auf dem Grill, dazu wurde Wein angeboten. So wurde unser diesjähriges „Butterbrot und Bier“ letztendlich zu einem „Würstchen und Wein“-Event, was von den zahlreichen Gästen aber nicht minder begeistert aufgenommen wurde. Diese unterhielten sich noch lange und ließen den inspirierenden Abend gemütlich ausklingen.

Text: Nils Wöhnl
Fotos: Fred Junghans
(Praktikanten des DAAD)
22.10.2015