Am Freitag, den 26. Februar, fand unser erster ‚Wissenschaftlicher Gesprächskreis‘ (WGK) in diesem Jahr statt, den der DAAD Tokyo wie immer in Zusammenarbeit mit der„Japan Society for the Promotion of Science“ (JSPS) organisiert hat.

Als Referent kam an diesem Abend Herr Prof. Dr. Rainer Knauf von der Technischen Universität Ilmenau. Der Informatiker pflegt schon lange engen Kontakt mit der japanischen Wissenschaftsgemeinde und ist seit neun Jahren Gastprofessor an der Tokyo Denki Universität, wo er Forschung auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz betreibt. Momentan wird er im Rahmen des vom DAAD administrierten JSPS Invitation Fellowship (short term) gefördert.

Das Thema von Prof. Knaufs Vortrag war das sogenannte „Handelsreisendenproblem“ – ein kurioser Titel, der Assoziationen mit ermüdeten Firmenvertretern auf Geschäftsreise weckt. So dachte auch Prof. Dr. Heinrich Menkhaus, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft der JSPS Stipendiaten, sofort an das Drama „Tod eines Handelsreisenden“ von Arthur Miller. Tatsächlich stellt sich das „Handelsreisendenproblem“ durchaus bei der Routenplanung von Menschen, die nach dem besten Weg vom Ausgangspunkt A über verschiedene Zwischenstationen zurück zum Punkt A suchen – und sich dabei oft gar nicht bewusst sind, mit welchem hoch komplexen, mathematisch zu fassenden  Problem sie gerade konfrontiert werden. Denn über dem „Handelsreisendenproblem“ steht in der theoretischen Informatik eine allgemeinere Fragestellung der Graphentheorie. Hier geht es darum durch die Entwicklung von entsprechenden Algorithmen Entscheidungsprozesse zu optimieren.

Im Gegensatz zu manch anderen Verfahren im Bereich der Informatik, die sich mit dieser Problematik beschäftigen, bindet Prof. Knaufs Methode eine menschliche bzw. soziale Komponente in den Prozess der Entscheidungsfindung mit ein. Wurde bei bisherigen Methoden zu jedem Problem ein neuer Algorithmus entwickelt, wird bei seinem Verfahren auf  Lösungen zu vergleichbaren Fragestellungen zurückgegriffen, was eine zutiefst menschliche Vorgehensweise sei. Diese Lösungen werden dann basierend auf Erfahrungen oder sozialen Faktoren modifiziert und verbessert, wobei auch interkulturelle Unterschiede berücksichtigt werden. Im Ergebnis komme man so zu einer schnelleren und effizienteren Problemlösung.

Für die Stipendiatinnen und Stipendiaten des 32. Jahrgangs unseres „Sprache und Praxis in Japan“-Programms des Fachbereichs Informatik war die Präsentation von Prof. Dr. Knauf besonders interessant. Gerade vor dem Hintergrund ihrer jetzigen Ausbildung zu „Japanexperten“ bot sich für sie hier die Chance, einem im deutsch-japanischen Austausch tätigen Forscher zu begegnen und fachliche Fragen zu diskutieren. Nicht zuletzt aufgrund seines klar strukturierten Vortrags wurde auch dem fachfremden Publikum ein Einstieg in Fragestellungen der Informatik möglich.

Abschließend fanden sich die Zuhörer und der Referent in den Räumen des DAAD ein, um sich auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und den Abend gemeinsam bei Bento und Bier ausklingen zu lassen.

Text und Fotos: Nils Wöhnl und Lisa Schmitt (Praktikanten des DAAD Tokyo)