Der Tourismus in Japan boomt. Besonders beliebt sind religiöse Stätten in Japan - Shinto-Schreine und buddhistische Tempel. Wer kennt nicht die prächtigen Bilder des goldenen Kinkakuji, die roten Tore des Fushimi Inari Taisha, das riesige Eingangstor (torii) des Meiji-Schreins? Allerdings bleibt es für viele Reisende meist bei einem Schnappschuss und kurzen Spaziergang um die ehrwürdigen Gebäude. Was bedeutet der touristische Ansturm für die „Heiligen Orte“ Japans?

Dr. Lorenz Poggendorf, der als Dozent an der Tokyo University of Science und der Toyo University arbeitet, beschäftigt sich intensiv mit diesem Thema. Am 10. April teilte er im OAG-Haus mit den rund 30 Besucherinnen und Besuchern seine Erkenntnisse im Rahmen eines Wissenschaftlichen Gesprächskreises (WGK), der von Herrn Prof. Dr. Menkhaus, Vorsitzender des JSPS-Clubs, eröffnet wurde.

„Was bedeutet eigentlich heilig?“, fragte Poggendorf in die Runde. Den Unterschied zwischen Profanem und Heiligem zu erkennen sei schwierig, weshalb Heiliges sichtbar gemacht werden müsse. Poggendorf zeigte den „Shakuji Hikawa Schrein“ in Tokyo als ein positives Beispiel. Besucher gelangen zu dem Schrein durch eine Zugangsstraße, die ihn von seiner Umgebung – dem Profanen - trennt. Zudem ist er von einem Schutzwald umgeben, dessen eingerechnet er fast 10.000m² umfasst. Neben dem Schutzwald sind das (torii), die Laternen (tōrō) und Löwenhunde (Komainu) Kennzeichen heiliger Orte.

Die Aura und besondere Atmosphäre der Schreine und Tempel sei aber durch den momentanen Tourismusboom in Japan gefährdet. „Aus meiner Sicht brauchen wir ein tieferes Verständnis und ein besseres Gespür für den jeweiligen Ort – einschließlich einer Tourismusethik und Konzepte zum nachhaltigen Schutz.“, resümiert Poggendorf.

Im Anschluss an den Vortrag und eine angeregte Diskussion eröffnete die neue zbV-Lektorin Dr. Manuela Sato-Prinz den informellen Teil des Abends.

Text und Fotos: Julia Berger (Praktikantin des DAAD Tokyo)

Redaktion: Laura Blecken (Marketingbeauftragte DAAD Tokyo)