Workshopleiter Wolfgang Odendahl spricht über Flipped Classroom im DaF-Unterricht (© DAAD/C. Motoshima)

Um nicht weniger als die Frage, wie der universitäre Deutschunterricht der Zukunft aussehen wird, drehte sich der DAAD-Fachtag „E-Learning offline und online“ für Hochschuldozierende im Bereich Deutsch am 9. Oktober 2021.

Dass der Digitalisierungsschub, den die Covid-19-Pandemie auch dem Deutschunterricht in Japan und in der Region einbrachte, nicht ganz freiwillig war, ist unbenommen. Gleichzeitig hat sich nach eineinhalb Jahren „Online-Lehre“ eine gewisse Routine etabliert. Lehrende wie Lernende haben die Möglichkeiten, die sich durch digitale Medien für das Fremdsprachenlernen eröffnen, kennen und schätzen gelernt. Das Ziel des DAAD-Fachtags 2021 war es deshalb, Impulse zu geben und Wege aufzuzeigen, wie die positiven Erfahrungen aus der Online-Lehre auch in den Kursraum und die Zeit nach Corona überführt werden können.

Im Baukastenprinzip bot der Fachtag den 62 Teilnehmenden aus 11 Ländern der Region (Süd-)Ostasien/Pazifik ein vielfältiges Programm, bei dem der kollegiale Austausch im Zentrum stand. Bei drei Workshops vermittelten Oliver Bayerlein (Nanzan University), Wolfgang Odendahl (National Taiwan University) und Chris Schneider (Korea University) praktisches Wissen rund um das Flipped-Classroom-Konzept sowie Software und Apps, die sich sowohl für den Einsatz im Online-Unterricht als auch in Ergänzung zu Offline-Unterricht eignen. Paperless Classroom, der Einsatz und die Erstellung von Video-Clips, Testverfahren oder selbstbestimmtes Lernen waren nur einige der Themen, die die Teilnehmenden in der anschließenden Breakout-Sessions-Phase diskutierten – und die sie selbst über ein interaktives Programm vorgeschlagen hatten.

Das Podium diskutiert: Der Unterricht der Zukunft – Chancen und Herausforderungen (© DAAD/M. Sato-Prinz)

Die Frage, welche technischen und didaktischen Chancen digitale Medien einerseits für den Unterricht der Zukunft eröffnen, welche Herausforderungen und Fragen sie andererseits aufwerfen, insbesondere mit Blick auf datenschutzrechtliche und ethische Aspekte, stand im Zentrum der abschließenden Diskussionsrunde. Diese wurde von drei Impulsbeiträgen eingeleitet: Ikumi Waragai und Andreas Meyer (beide SFC Keio University) stellten die Möglichkeiten digitaler Medien zur Erstellung hybrider Lernumgebungen vor, die eine ganzheitliche Lernerfahrung der Lernenden begünstigen. Über den Einsatz Künstlicher Intelligenz zur Abnahme von Prüfungen auf Distanz reflektierte Burkhard Lehmann (Universität Koblenz-Landau). Rolf Schwartmann (Technische Hochschule Köln) sprach wichtige prüfungs- und datenschutzrechtliche Aspekte der Nutzung digitaler Medien in der Lehre an und appellierte daran, bei allen Chancen auch ethische Fragestellungen nicht außer Acht zu lassen. Das Fishbowl-Format, in dem die Diskussion stattfand, erlaubte eine rege Beteiligung des Publikums.

So zeigte der Fachtag insgesamt, dass sich viele Potenziale digitale Medien auch nach der Pandemie – mit Maß und Sinn – weiter nutzen lassen und den Präsenzunterricht bereichern können: Sei es durch die Anwendung bestimmter Tools oder Verfahren, die sich in der Online-Lehre bewährt haben, oder auch durch eine grundsätzliche Umstrukturierung des Deutschunterrichts in ein hybrides Format.

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Bericht: Manuela Sato-Prinz