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Ein „deutscher“ Weg auf dem japanischen Arbeitsmarkt?

Über 200 000 Studierende in Japan lernen Deutsch – und dennoch nutzt nur ein Bruchteil davon seine hart erkämpften Sprachkenntnisse für den Berufseinstieg bei einer deutschen Firma in Japan. Inwieweit qualifizieren Deutschkenntnisse für die Arbeit in einem deutschen Unternehmen? Kann man in Japan überhaupt bei einer deutschen Firma einsteigen? Und wenn ja, wie? Antworten auf derartige Fragen sollte eine Informationsveranstaltung mit Vertretern deutscher Unternehmen an der Waseda-Universität liefern, die bei Deutschlehrenden und -lernenden gleichermaßen auf überwältigendes Interesse stieß.

Schon im Vorfeld hatte sich abgezeichnet, dass die Veranstaltung ein großes Publikum anziehen würde. Der DAAD hatte am 13. November 2015 im Goethe Institut Tokyo erstmals Vertreter der Japanischen Gesellschaft für Germanistik (JGG), des Verbandes der Deutschlehrenden in Japan (VDJ) sowie anderer Institutionen und Universitäten zu einem Gespräch mit Repräsentanten der deutschen Wirtschaft eingeladen, um über „Wege zum Berufseinstieg für Graduierte der Deutschlandstudien in Japan“ zu diskutieren. Hier entstand die Idee zur Fortführung des Dialogs in größerer Runde, die am Freitagabend vom VDJ in Zusammenarbeit mit dem DAAD verwirklicht wurde: Mit über 130 Anmeldungen von Deutschlehrenden und –lernenden war die Veranstaltung in der Waseda-Universität ein großer Erfolg.

Nach kurzen Begrüßungen durch Prof. Tomoaki Seino, Vorsitzender des Verbands der Deutschlehrenden in Japan, Frau Dr. Ursula Toyka, Leiterin des DAAD in Tokyo, und Matthias von Gehlen, stellvertretender Leiter des Goethe-Instituts Tokyo, der auch Angebote zum wirtschaftsbezogenen Deutschlernen vorstellte, begannen die Präsentationen der deutschen Unternehmen.

Zunächst sprach Marcus Schürmann, Geschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan (AHK). Die AHK ist mit weltweit 130 Standorten in rund 90 Ländern Ansprechpartner für deutsche Unternehmen im Ausland, von denen auch hierzulande mehr vertreten sind, als vielen bewusst sein mag: Rund 450 deutsche Unternehmen gebe es in Japan, so Marcus Schürmann. Ein Großteil davon werde im Mitgliederverzeichnis der AHK geführt. Diese Liste könne ein erster Anknüpfungspunkt für Studierende sein, die sich für den Berufseinstieg in einer deutschen Firma interessieren.

Anschließend stellte Michael Störmer, Direktor von Lufthansa Cargo in Japan und Korea, die Geschäftsfelder der deutschen Fluggesellschaft vor. Er betonte, dass profunde Deutschkenntnisse für die Karriere bei Lufthansa in Japan von großem Vorteil seien. Allerdings seien auch Englischkenntnisse unverzichtbar, ebenso wie eine gewisse „Internationalität“, die durch Praktika und längere Aufenthalte im Ausland gewonnen werden könnte.

Auch Nikolaus Boltze, Präsident von ThyssenKrupp Japan sowie der AHK schloss sich in diesen Punkten seinem Vorredner an. Im Rahmen der Bewerbung bei einer deutschen Firma seien Auslandsaufenthalte ein wichtiger Beleg dafür, dass man sich auch unter erschwerten Bedingungen „durchbeißen“ könne. Er betonte, dass ThyssenKrupp – seit 1859 in Japan präsent – immer auf der Suche nach neuen, engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei.

Dagobert Autering, Finanzchef bei BMW Financial Services Japan, ergänzte, dass auch BMW weltweit nach neuen, international orientierten Mitarbeitern suche. Eine sehr wichtige Eigenschaft bei Bewerbern sei deren Bereitschaft zur Mobilität. Bereits vorhandene Auslandserfahrungen seien damit die eine Seite – die andere sei, dass auch japanische Mitarbeiter nach der Einstellung auf der ganzen Welt einsetzbar sein sollten.

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion wurde noch einmal gezielt auf die Fragen der Teilnehmenden eingegangen. Prof. Seino fasst als Moderator zunächst die wichtigsten Aspekte des großen Informationsbedarfes auf japanischer Seite zusammen. In der Diskussion stellte sich heraus, dass sich die Bewerbungsanforderungen der deutschen Firmen in Japan teilweise erheblich von denen japanischer Unternehmen unterscheiden. So galt für keine der repräsentierten Firmen der in Japan übliche 1. April als Stichtag für Berufsanfänger. Bewerbungen würden das ganze Jahr über entgegengenommen. Im Bewerbungsverfahren ginge es vor allem darum, in der Masse positiv aufzufallen, sei es durch interessante Praktika, außeruniversitäres Engagement oder längere Auslandsaufenthalte. Deutschkenntnisse seien immer von Vorteil, Englischkenntnisse jedoch unverzichtbar. Der erste Schritt für Berufsinteressenten könnten Praktika sein, die von allen Repräsentanten der deutschen Wirtschaft an diesem Abend nachdrücklich empfohlen wurden. Die meisten Firmen bieten sechsmonatige Praktika an, aber kurzfristige Ausnahmen sind in begründeten Fällen manchmal möglich. Die Unternehmensvertreter betonten, dass Praktikanten bei ihnen voll in den Arbeitsablauf eingebunden werden, oft sogar mit einem eigenen Projekt. Nikolaus Boltze von ThyssenKrupp verwies auch auf die Möglichkeit, eine Abschlussarbeit – etwa zum Bachelor, Master oder Doktor – mit einem Praktikum im Unternehmen zu verbinden. Auch Initiativbewerbungen seien eine Möglichkeit, bei einer deutschen Firma einzusteigen.

In der Diskussion wurde jedoch auch angemerkt, dass sich halbjährige Praktika nur schwierig mit dem japanischen Curriculum an Universitäten verbinden ließen. Eine anwesende Dozentin erzählte, dass viele ihrer Studierenden befürchten, durch eine Verlängerung ihres Studiums ihre Chancen auf dem japanischen Arbeitsmarkt zu beeinträchtigen. Viele sehen sich dabei vor einer Weggabelung: Auf der einen Seite der oft praktizierte, traditionelle „japanische“ Arbeitsweg, der nach einem kurzen Studium direkt in eine japanische Firma führt – auf der anderen Seite der „deutsche“ bzw. „internationale“ Arbeitsweg, der für viele Japanerinnen und Japaner noch unüberschaubar ist. Die Entscheidung mag damit schwierig sein. Die interessanten Präsentationen der Referenten des Abends dürften aber viele Studierende ermuntert haben, neue Wege zu suchen und zu gehen.

Ob die einmalige Entscheidung für einen „internationalen“ Weg in Japan heute noch so endgültig ist, wie sie vielen scheinen mag, sei hier dahingestellt. In jedem Fall zeigt jedoch die enorme Resonanz der Veranstaltung, dass sich viele Studierende für einen Berufseinstieg in einem deutschen Unternehmen interessieren und dass Lehrende sie dabei unterstützen wollen. Mehrere Teilnehmer bedankten sich anschließend mit der Anmerkung, dass viele Informationen für sie neu waren. Für einige war die Veranstaltung vielleicht der erste Schritt zum Praktikum oder gar zum Berufseinstieg. Für andere trug sie zumindest dazu bei, Licht auf mögliche „deutsche“ bzw. „internationale“ Karrierewege in Japan zu werfen. Und für alle, die sich noch weiter informieren möchten, ist eine Fortsetzung dieses Veranstaltungsformats bereits in Planung!

Text: Laura Blecken (Presse- und Marketingbeauftragte der DAAD-Außenstelle Tokyo)

Fotos: Lisa Schmitt (Praktikantin des DAAD)

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